Zeitraffervideos in der Praxis

So gelingen Zeitrafferaufnahmen

Schnell herumwuselnde Menschenmassen, sich flott öffnende Blüten – ein Zeitraffervideo hat wohl jeder schon mal gesehen. Doch so schnell diese auch ablaufen, umso länger dauert die Produktion dieser interessanten Videoform. Doch eine Fotokamera oder ein Smartphone mit Intervallfunktion nimmt einem da Arbeit ab.

Intervallsteuerung für Nikon Kameras

Intervallsteuerung für Nikon Kameras

Selbstauslöser kennt jeder uns sind schon seit vielen Jahren in allen möglichen Kameras enthalten. Neuer ist die Intervallfunktion, die wie ein Selbstauslöser arbeitet, aber viele Bilder hintereinander schießen kann. Das ermöglicht ganze Fotoserien ohne die Kamera selbst bedienen zu müssen. Und aus diesen vielen Fotos lassen sich Zeitrafferaufnahmen herstellen.
Wer an seinem Kameramodell keine Intervallfunktion für den Selbstauslöser hat, kann auf einen programmierbaren Fernauslöser zurückgreifen. Diese gibt es für viele Kameramodelle und beginnen preislich bei ca. 30 Euro.
Wer für eine Aufnahme die Investition aber scheut, kann die Aufnahmen aber natürlich auch per Hand auslösen.

Um das für einen Film notwendige 16:9-Format zu erhalten, muss die Kamera auf dieses Fotoformat eingestellt werden. Ideal für Aufnahmen in Full-HD ist es natürlich, gleich in der richtigen Auflösung (1920 x 1080 Pixel) aufzunehmen. Größere Auflösungen sind aber auch kein Problem, denn die Videoschnittsoftware skaliert die Fotos automatisch auf die richtige Größe.
Steht die passende Auflösung nicht zur Verfügung, ist es ratsam die kleinste, am nahesten liegende zu verwenden. Macht die Intervallfunktion alle 5 Sekunden ein Bild, entstehen bei einer Aufnahmedauer von 30 Minuten bereits 360 Bilder. In Zeiten von Speicherkarten mit bis zu 128 Gigabyte Platz ist das heute allerdings kein sehr großes Problem mehr, der Speicherbedarf sollte aber trotzdem immer im Hinterkopf behalten werden.
Sollen jedoch später aus den fertigen Fotos nur Ausschnitte verwendet werden, erhöht sich der Arbeitsaufwand zur Bearbeitung der Fotos enorm. Hilfreich ist hier ein Tool wie IrfanView. Dessen Stapelverarbeitung kann viele Bilder auf einmal beschneiden, skalieren, umwandeln, speichern und mehr.

Kamera: Autopilot ausschalten

Besonders wichtig bei Aufnahmen für Zeitraffer sind die richtigen Einstellungen der Kamera. Wenigstens der Autofokus sollte deaktiviert sein. Für optimale und gleichmäßige Ergebnisse ist die komplette manuelle Einstellung der Kamera zu empfehlen.
Ist die Kamera im Automatikmodus, passt diese die Aufnahmeoptionen immer an den aktuellen Stand an. So können die Aufhnahmen im fertigen Film unruhig wirken.
Die Unruhe im Film lässt sich vermeiden, werden Werte wie Blende, Belichtungszeit sowie Weißabgleich und ISO von Hand eingestellt.
Problemtisch wird das natürlich bei Aufnahmen, bei denen sich auf jeden Fall die Lichtverhältnisse verändern (Sonnenauf- und Untergang). Hier hilft die feste Blendenvorwahl mit aktivierter Zeitautomatik. So bleibt die Tiefenschärfe erhalten.

Viele direkte praktische Tipps sind an dieser Stelle schwierig zu geben. Besonders zu Kameraeinstellungen bedingt zu Lichtverhältnissen kommt es einfach zu sehr auf Motiv und Situation an und würde den Rahmen dieses Artikels sprengen.

Soviele Bilder benötigt eine Zeitrafferaufnahme

Ein Video ist letztendlich auch nur eine Abfolge von hintereinander gereihten Fotos. Ab 24 Bildern in der Sekunde entsteht für das menschliche Auge eine flüssige Bewegung.
Um nun aus vielen Einzelbildern eine Zeitrafferaufnahme entstehen zu lassen, müssen die Bilder in der richtigen Reihenfolge ins Videoschnittprogramm importiert werden.
In unserem Beispiel verwenden wir dafür Magix Video deLuxe. Die Arbeitsschritte sollten für alle halbwegs aktuellen Versionen identisch sein. Doch zur Bearbeitung bzw. Erstellung der Zeitrafferaufnahme gleich mehr.

Motive für die Zeitrafferaufnahme

Ist die Idee für eine Zeitrafferaufnahme erstmal da, geht schnell die Suche nach einem guten Motiv los. Klassiker wie sich öffnende Blumenblüten oder vorbeziehende Wolkenfelder kennt jeder. Auch belebte Plätze von oben fotografiert ergeben verblüffende Aufnahmen. Besonders bei Landschaftsaufnahmen ergeben sich über den Tagesverlauf interessante Bilder. Denn vorbeiziehende Wolken, die kurzzeitig die Sonneneinstrahlung verdecken, sorgen für dynamische Lichtwechsel im Zeitraffervideo. Besonders langsames kann im Zeitraffer interessant sein, so sind Schnecken ein Motiv, das nicht so schnell die Flucht ergreift…
Ein wichtiger Bestandteil von Zeitraffervideos sind statische Elemente. Diese bilden ein zentrales Element und während der hektischen Bewegung gleichzeitig ein Ruhepol im Video. Dies kann ein Bauwerk, ein Fahrzeug oder auch ein Baum sein.

Zeitraffer Schnecke

Schnecken sind im Zeitraffer gleich viel interessanter

Zeitrafferaufnahme mit Actioncams oder Camcordern erstellen

Am einfachsten lassen sich Zeitrafferaufnahmen mit Geräten erzeugen, die extra dafür Funktionen anbieten. Eine Geräteklasse sind Actioncams. Viele Modelle bieten die Funktion Time Lapse. Damit lässt sich einstellen, in welchem Zeitintervall Aufnahmen erstellt werden sollen. Im Prinzip also das gleiche System wie bei der Intervallfunktion der Fotokameras, aber mit einem kleinen und feinen Unterschied: die Kamera fügt das Ganze gleich zu einem fertigen Film zusammen. Jegliche Nachbearbeitung entfällt also.
Der folgende Film ist mit der Actioncam Medion MD 87205 entstanden. Die Gesamtaufnahmedauer betrug etwas über 2 Stunden, danach hat leider der Akku den Geist aufgegeben. Die komplette Aufnahme ist so auf eine Laufzeit von ca. 4 Minuten eingedampft worden.

Die Time Lapse-Funktion ist individuell einstellbar. Zwischen einer Aufnahme pro Minute bis zu einer Aufnahme je Sekunde lässt sich der Wert stufenweise einstellen. Für diese Aufnahme wurde jede Sekunde ein Bild gemacht.

Zeitrafferaufnahme mit Magix Video deLuxe erstellen

Wer keine passende Kamera hat die aus Einzelaufnahmen gleich einen Film erstellt, muss zur Handarbeit greifen. Mit etwas Übung geht aber auch das fix von der Hand.

Wird ein Foto in die Arbeitsfläche von Magix Video deLuxe importiert, erhält es vom Programm immer eine feste Anzeigedauer vorgegeben. Diese kann durch verschieben der Objektmarker aber auch verkürzt werden. Manuell ist das allerdings ein Haufen Arbeit und diese lässt sich mit recht einfachen Mitteln verkürzen.
Zuallererst sollten alle Bilder im Dateifenster der Reihenfolge nach markiert werden. Dazu das erste Foto der benötigten Bildfolge auswählen, die Shit-Taste drücken und dann das letzte Foto markieren.
Auf einen Wusch sind nun alle Bilder markiert und können auf einmal in die gewünschte Spur auf der Arbeitsfläche gezogen werden. Alternativ lässt sich auch ein Rahmen um alle Objekte ziehen.
Während alle einzelnen Objekte noch markiert sind, lassen sich diese am besten gleich zu einer Gruppe zusammenfassen. Damit sind auch später alle Bilder auf einen Mausklick auswählbar.

Zeitraffer Magix 1

Alle Bilder importieren, markieren und gruppieren

Wie oben erwähnt, werden je Sekunde Film 25 Bilder benötigt. Darum muss die Anzeigedauer eines jeden Bildes auf 1/25-Sekunde reduziert werden. Diese Funktion findet sich, indem mit Rechts auf die markierten Bilder geklickt und die Option „Fotolänge ändern“ ausgewählt wird.

Zeitraffer Fotolänge ändern

Fotolänge ändern ist der richtige Menüpunkt

Ähnlich wie die Anzahl der Aufnahmen oben, lässt sich vorab auch die Länge des Filmes errechnen. Wird aus dem Beispiel der 30-minütigen Aufnahme ein Zeitraffervideo aus 360 Bildern mit einer Anzeigedauer je Bild von 1/25-Sekunde erhält man am Schluss gerade mal ca. 15 Sekunden Film.

Zeitraffer Zeitspanne einstellen

00:00:04 Sekunden entspricht 1/25 Sekunde

Und schon ist das erste eigene Zeitraffervideo fertig.

Weitere Möglichkeiten für Zeitraffervideos

Eine andere Möglichkeit, ein eigenes Video zu erstellen, ist die Aufnahme des gesamten Vorgangs in normaler Geschwindigkeit. Diese Aufnahme lässt sich dann in Magix Video de Luxe bescheunigen, allerdings nicht bis ins Unendliche. Hier ist eine maximale Beschleunigung vom Faktor 2,5 möglich. Das ist zwar schon etwas fixer, bringt aber nicht das Ergebnis wie die oben beschriebene Methode. Aufgrund der Aufnahmedauer und des daraus resultierenden Speicher- und Akkubedarfs, ist diese Methode allerdings auch nur für kurze Szenen geeignet.

 

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